Lindenberger Carneval-Club - LCC

Unsere Chronik

1967 - 2008 

Nach Ausführungen von Hermann Dietrich zum 2 x 11 Jahre - Jubiläum des Vereins, Abhandlungen von Hermann Roth, Niederschriften von Kurt Weintz, einem Bericht von Detlev Schanze und eigenen Recherchen aktualisiert und neu verfasst von Bodo Düker.

 

„Stellt man sich der Aufgabe die Chronik eines Vereins zu aktualisieren, gelingt einem das nur derart, dass man sich auf bereits Überliefertes beruft und Hinzugekommenes gewissenhaft recherchiert.

In diesem Sinne möchte ich den Lebenslauf des Vereins niederschreiben.“

 

Im Februar 1967 saßen in Lindenberg, beim Rosenmontagsball des Turn- und Sportvereins, in gemütlicher Runde vier Männer beieinander (Hans Fickert, Jan Lessjuk, Fritz Schmid, Hermann Risch), die sich mit dem Gedanken trugen einen Karnevalverein zu gründen. Die Musik spielte gerade den bekannten Schlager „Pack die Badehose ein“, als ein Mädchen, Margit Motzenbäcker, auf die Bühne sprang, sich ein Mikrofon schnappte und den Hit mitsang. Die Begeisterung war allgemein. Hermann Risch reagierte spontan, sprang auf und rief laut: „Dem Mädchen ein dreifach donnerndes Iboi Ahoi!“ Damit war der Schlachtruf der „Lindenritter“, wie man sich später im Verein nannte, geboren.

Um die Rosenmontagsidee in die Tat umzusetzen, lud man die Lindenberger Bürger schriftlich zu einem Ausspracheabend, mit dem Thema „Gründung eines Karnevalvereins“, ein. 25 interessierte Personen kamen. Hermann Risch erläuterte den Versammelten seine Vorstellungen und fand Zuspruch. „Doch woher sollte man das nötige Geld für einen solchen Plan beschaffen?“ Starthilfe bot Marianne Lessjuk mit ihrer Gastwirtschaft „Zum Schiff“ an, indem sie den Saal des Hauses den Vereinsplanern zur freien Verfügung stellte. Hier arrangierte man erfolgreich einen Kerwetanz. Mit dessen Einnahmen von 844 DM schuf man sich damals den finanziellen Grundstock für den geplanten Verein.

Da sich die „Burgritter“, wie sie sich anfangs nannten, damals noch nicht sicher waren, was aus der ganzen Sache werden würde, schlossen sie sich, bevor sie auf eigenen Füßen stehen konnten, dem Sportverein an. Eine Satzung im heutigen Sinne hatten die Burgritter noch nicht. Am 8. September des Jahres traf sich zur Beratung ein Elferrat im „Haus  Marliese“, der anstehende Entscheidungen traf. Für folgende Elferräte wurden damals Mützen bestellt:

Risch Hermann (Präsident), Knoll Günther (2. Präsident), Ullrich Rudolf (Chef des Protokolls), Weitzel Eugen (Schriftführer), Knoll Hermann (Innenminister), Grub Dieter (Außenminister), Eisenstein Willi (Gardeoffizier), Diel Karl (Schatzminister), Lessjuk Jan (ZBV), Bittner Kurt (ZBV), Schmid Fritz (ZBV), Baumann Ludwig (ZBV), Thiel Fritz (Organisationsleiter), Fickert Hans (Maskenbildner), Köhler Hans Georg (Zeremonienmeister).

Am 11. 11. 1967 lud der LCC (Lindenberger Carneval-Club), in Zusammenarbeit mit Turn- und Gesangverein, zu seiner Eröffnungssitzung ins Gasthaus „ZUM HIRSCH“ (Pfaffmann) ein. Beginn war 20.11 Uhr, der Eintrittspreis betrug 2,50 DM. Mit viel Spaß an der Freud’ und sprühendem Witz verwirklichte man in jenen Tagen die neue Idee und bot ein Programm dar, auf das man noch lange mit Stolz zurückblicken durfte. Da gab es den Truchsess, den Burggrafen, die Präsidenten, einen Zeremonienmeister, Rekruten, von einem Marschall für Angriff und Verteidigung geführt, Burgfunken und Komiteemitglieder. Jeder hatte ein Amt und eine Funktion und alle hatten eins gemein: die ungetrübte Freude an ihrer Aufgabe. Was spielte es da eine Rolle, dass die rechtliche Form des neu ernannten Vereins noch zu erarbeiten war und eine Eintragung ins Vereinsregister erst 1971 erfolgte. Natürlich waren da nicht nur die „Männer der ersten Stunde“. Auf der Bühne präsentierte sich die „Hofsängerin“ Gisela Bleschtschuk und im stillen Kämmerlein wirkten schon damals als Schneiderinnen: Helga Baumann, Ludwina Risch, Marianne Lessjuk, Waltraud Schmid und Gertrud Knoll.

Schwungvoll ging es nun in die erste Kampagne 1968, die ein großer Erfolg wurde. Da Karneval in Lindenberg derzeit ein Novum war, weckte es Neugierde und die Einheimischen staunten nicht schlecht, was so alles in ihren Mitbürgern steckte.

Ab dem Jahre 1969 fanden die Veranstaltungen im Saal der Gastwirtschaft „Zum Schiff“ statt. Man hatte ein „Narrenschiff“ gefunden. Trotz der dort oftmals drangvollen Enge machte sich Hochstimmung breit. Das Publikum war hautnah bei den Akteuren und mit Idee und Witz bei den Kulissen und der Dekoration überspielte man das Eingeengtsein. Die Hofkapelle war zwangsläufig immer klein, thronte aber so nah über dem Publikum, dass diesem nichts anderes übrig blieb als mitzumachen. Viele Aktive konnten damals Erfolge verbuchen: Rudolf Ullrich und Fritz Thiel erwarben sich einen guten Ruf als Protokoller, Fritz Thiel zog die Fäden der Gesamtregie, Waltraud und Hans Fickert hielten sehr erfolgreich Büttenreden, Willi Eisenstein fungierte als Gardeoffizier und Büttenredner, Wolfgang Orth jun. trat mit seinem Vater auf, Willi Schönung und Adolf Lauer waren Clowns, Willi Knoll hielt erfolgreiche Büttenreden, Gisela Bleschtschuk erntete viel Applaus als Hofsängerin, Klaus Thiel und Thomas Weitzel wirkten als Junioren mit, sowie Achim Weintz, der von diesen Junioren dem LCC am längsten als Aktiver angehörte.

Nachdem die Lindenberger Narren durch Erfolge stark genug geworden waren, begannen sie im Jahre 1970 zum ersten Mal das Rathaus zu erstürmen. Dieser fasnachtliche Brauch wurde nun zukünftig gepflegt.
Als kurz darauf die rheinland-pfälzische Gebietsreform anstand, stellten sich auch die Lindenberger Narren die Frage, ob der Ort nach Neustadt oder zur Verbandsgemeinde Lambrecht gehören sollte. Die Politiker hatten aber bereits die Weichen gestellt.
In der närrischen Vereinstätigkeit ging es weiter aufwärts. Neue Namen tauchten in den Programmen auf: Kurt Weintz und Hans Werner Biffart, Günter Trautnitz, Paul Schattke. Die Aktive Waltraud Fickert verbreitete, durch eine erfolgreiche Teilnahme an einem Rundfunkwettbewerb, den Ruf der Iboier Narren im Sendegebiet des Südwestfunks. Mit Begeisterung erinnern sich nicht nur die Aktiven an den „Zirkus Salabrixi“, den der Elferrat in dieser Kampagne vorführte. Gastauftritte beim Geselligkeitsverein Esthal wurden nicht die Regel. Zum ersten Mal wurde ein Altennachmittag gestaltet und viele Jahre traditionell närrische Unterhaltung für die älteren Mitbürger geboten.

Da nun das Narrenschiff anscheinend sicher in gewohnten Gewässern fahren konnte, gab man sich am 20. 3. 1971 durch eine Generalversammlung einen vereinsrechtlichen Rahmen: Lindenberger Carneval-Club „Die Lindenritter“ e.V. Kaum war dieser wichtige Schritt vollzogen, geriet das Narrenschiff in stürmisches Gewässer. Es kam zu Austritten, Rücktritten, kurz es „menschelte“ ganz gewaltig hinter den Burgzinnen der Lindenritter.

Die Wogen glätteten sich wieder und mit einigen personellen Veränderungen startete man in die Kampagne 1973. Den Prolog übernahm Klaus Thiel als jugendlicher Till in der Bütt. Die Sitzung befasste sich ausführlich mit den Vorgängen um die Wahl des Verbandsbürgermeisters Gerst, der mit den Stimmen der SPD gegen seine eigene Partei, die CDU, gewählt worden war. Kurt Weintz hatte sich schon seine Verdienste um den LCC erworben, aber neu in der Bütt war in diesem Jahr Elsbeth Weintz. Von Anfang an brachte sie eigene Ideen zu Papier und entwickelte sich nach und nach zu einer der beliebtesten Akteure auf der Bühne. In diesem Jahr kam es über die „Setzersparte“, Kollegen bei der „Rheinpfalz“, zu einer Zusammenarbeit mit den Siedler-Narren aus Grünstadt, die durch die Garde des LCC eine Attraktion mehr in ihr Programm aufnehmen konnten. Natürlich kam es auch zu einem Austausch von närrischen Ideen, der für beide Vereine befruchtend war. Mittlerweile hatte der LCC auch Verbindung zur „Vereinigung badisch-pfälzischer Karnevalvereine“ aufgenommen und wurde dann auch bald zur Teilnahme an der „Vorderpfälzischen Fasnacht“ in Wörth eingeladen. Zum Karnevalverein Neustadt und zum Hasslocher Carneval-Verein wurden Beziehungen geknüpft und mit dem letzteren jahrelang gepflegt.

Trotz erneuter Turbulenzen tauchten im Programm des Jahres 1974 wieder eine ganze Reihe neuer Attraktionen auf. Die Elferräte trugen ihren neuen weißen Smoking. Das Tanzpärchen Corinna Baumann und Patrick Knoll gab sein Debüt. Die „Drei K’s“, Dieter, Willi und Ullrich Knoll überraschten das Publikum als Gesangstrio. Eugen Weitzel setzte seine Pointen. Tanzlehrer Winkler brachte die schmucke Garde in den Gleichklang. All diese, von Willi Eisenstein erfolgreich geleiteten, Veranstaltungen fanden noch im Saal der Gastwirtschaft „Zum Schiff“ statt. Die zunehmende Zahl der Aktiven wünschte sich jedoch etwas mehr Platz. Deswegen bemühte man sich schon damals, in Gesprächen mit der Gemeinde, um eine Erweiterung der Turnvereinshalle und stellte diesbezüglich sogar eigene Entwürfe vor. Aber die Mühlen der Verwaltung und des Rates mahlen langsam – und der LCC blieb vorerst in seinem „Narrenschiff“.

Die gewonnene Fußballweltmeisterschaft 1974 veranlasste Kurt und Achim Weintz in der Kampagne 1975 als die Weltmeisterschaftsmaskottchen Tip und Tap aufzutreten. Die Garde trainierte in diesem Jahr Fräulein Poremski und als Neuheit waren die Elferratsfrauen als Kosaken auf der Bühne erfolgreich.
Galt in diesen Aufzählungen die Aufmerksamkeit verstärkt den Neulingen, sollen doch die Aktiven nicht vergessen werden, die seit vielen Jahren dem LCC ein starkes Gerüst waren oder sind, um das sich immer wieder Veränderungen manifestieren konnten: Hermann Roth, Dieter Grub, Dieter Knoll und Fritz Orth als erfolgreiche Büttenredner; Wolfgang Orth, Günter Trautnitz, Jan Lessjuk, Ludwig und Ernst Baumann, Hermann Knoll und Fritz Schmid waren für jede Rolle zu haben. Hermann Risch hatte in den stürmischen Anfangsjahren des Vereins wichtige Funktionen inne und setzte sich in besonderer Art und Weise für die Veranstaltungen des LCC ein. Spannungsvolle Momente bescherten alljährlich die Lose seiner Tombola. Nicht zu vergessen ist an dieser Stelle der Einsatz der Frauen der Aktiven, auf der Bühne, hinter den Kulissen, in der Küche und letztendlich beim Säubern der Toiletten. Die Elferratsfrauen Christel Roth, Gislinde und Ingrid Knoll, Waltraud Schmid, Helga und Ellen Baumann, Erika Knoll und andere Närrinnen traten zur Freude des Publikums mit eigenen Tänzen auf. Hans Fickert, jahrelang als Büttenredner erfolgreich, fand im Till seine Figur. Es war ein Verlust für den LCC, als er und seine Frau Traudel Jahre später den Verein verließen und in Lambrecht die Bühne betraten.

Im Jahre 1976 begrüßte der neue Präsident Dieter Knoll die Gäste. Mit ihm hatte das Amt des Sitzungspräsidenten die ideale Besetzung gefunden, um die man den LCC andernorts beneidete. Er agierte mit Schlagfertigkeit, Flexibilität und Improvisationstalent und war so jeder neuen Situation gewachsen.

1977 wurde bei jeder Gelegenheit auf die räumliche Enge im „Narrenschiff“ hingewiesen, aber eine größere Halle ließ noch immer auf sich warten.

So fanden auch die Sitzungen 1978, zum elfjährigen Jubiläum, noch im Saal Lessjuk statt. Der LCC besann sich auf seinen Namen „Die Lindenritter“ und so entstand auf der engen Bühne ein Szenario wie für einen Monumentalfilm. Zum Glück hatte der Verein gute Verbindungen zu Hans Fischer aus Heidelberg und so stand für die Ausstaffierung der Aktiven der gut sortierte Kostümfundus des Heidelberger Stadttheaters zur Verfügung. Dadurch wurde die Jubiläumsveranstaltung auch zu einem farbenprächtigen Ereignis. War es kein Zufall, dann bewirkte die erfolgreiche Werbung durch Kurt Weintz, dass in diesem Jahr die Figur des „Lindenritters“ als Symbol der Lindenberger Fasnacht erstmalig in Erscheinung trat. Viele Jahre schlüpfte Hermann Dietrich in diese Rolle. Die Tontechnik der Sitzungen, bis dahin vorwiegend von Paul Kappes gesteuert, übernahm nun mehr und mehr Jürgen Heyduck.

Im Jahre 1979 ging ein lange gehegter Wunsch des LCC in Erfüllung: Die Turnhalle wurde durch den Anbau einer Bühne und eines Küchen- und Sanitärtraktes zu einer Mehrzweckhalle erweitert. Jetzt konnten sich vor allem die Aktiven auf der Bühne mehr entfalten. Das Präsidium unter Hermann Roth nahm dieses freudige Ereignis zum Anlass, dem Verein einen Eröffnungsball zum 10. 11. 1979 vorzuschlagen. So wurde bis 1985 die Kampagne jeweils mit einem stilvollen Ball eingeleitet. Mit der Zeit wurde der finanzielle Aufwand dafür aber derart groß, dass man ihn wieder einstellen musste. Auf der größeren Bühne konnten nun besonders die Elferratsauftritte mit mehr Aufwand betrieben werden. Jetzt wirbelten hier Ölscheichs, Urlauber, Indianer, Zigeuner, Franzosen, ja sogar Ur-Iboier über den PVC-Boden. Es wurde zur Tradition, diese Auftritte mit umgetexteten Liedern von Hermann Dietrich zu beenden. In diese Halbzeitbilder waren und sind besonders die Elferräte und Aktiven eingebunden, welche die Bütt scheuen, sonst aber für jeden Fez zu haben waren oder sind. Hermann Knoll sowie Jan Lessjuk, Fritz Schmid, Wolfgang Orth und Josef Knoll, auch Ludwig und Ernst Baumann brachten in solchen Rollen das Publikum zu Lachsalven. Auch die Ehefrauen wurden mit eingebaut, nachdem die Tanzgruppe der Frauen sich aufgelöst hatte. Im „Schiff“ zurück blieb der Kartenvorverkauf. Das stete Bemühen es allen recht zu machen war selten erfolgreich und der Kartenvorverkauf oft die turbulenteste Phase der Kampagne. Die Neujahrsempfänge des Bürgermeisters, immer vom LCC mitgestaltet, wurden nun auch in größerem Umfang in die neue Halle verlegt.

Der Austausch von Ideen und Gardemädchen zwischen dem LCC und den Siedlerkarnevalisten aus Grünstadt zeigte Folgen in einem Zwiegespräch, welches sich Maria und Hermann Dietrich ab 1981 lieferten. Das war neu und daher der Erfolg erfreulich.

Mit Unterbrechung hatte Tanzlehrer Winkler mit seiner Tochter Alexa jahrelang die Lindenberger Gardemädchen trainiert. Er verabschiedete sich 1982 vom LCC.

An dieser Stelle soll auch einmal Fritz Heil aus Kaiserslautern genannt werden, der seit seiner Pensionierung den LCC viele Jahre lang in „Ordensfragen“ kompetent beraten hat. Gerhard Neumer aus Assenheim hat jahrelang kostenlos Bühnenbilder erstellt, später fertigte Werner Kunter die Bühnendekoration.

„Mittem Tuppee uffem Kopp und de Zung im Maul“ stellte sich 1983 eine neue Gesangsgruppe vor, die „Weidis“, die Ehepaare Weintz und Dietrich. Sie hatten schon zuvor mit „Vater Abraham“, „Dschingis Khan“ oder als „Babysitter“ die Schlusslichter gesetzt und traten nun mit eigenen zum Teil pfälzisch-derben Liedern auf. In diesem Jahr trat erstmals Christine Knoll in die Bütt, stieg unbekümmert auf ihr Stühlchen und brachte die Leute zum Lachen. „Woher kommen in dem kleinen Lindenberg die vielen Akteure?“, fragte sich so mancher Besucher verwundert. Die dünner werdende Personaldecke wurde geschickt durch mehrfaches Auftreten der Aktiven ausgeglichen. So kam es auch zur Bildung eines neuen Gesangstrios, als sich die „Drei K’s“ verminderten wie die zehn kleinen Negerlein. Für sie trat nun das „LCC-Trio“ Bruno Bosse, Günter Trautnitz und der Routinier Dieter Knoll auf die Bühne. Hatten die „Drei K’s“ noch vorwiegend politische Liedtexte gebracht, so stellte sich das „LCC-Trio“ auf den sich ändernden Publikumsgeschmack ein und brachte Lustiges im Zeichen der Teufelsgeige. Als Glücksgriff entpuppte sich die Hofkapelle „Die Rondos“, die als Musiker überzeugte Fasnachter waren, wie Jahre zuvor Josef Histing. Zwischendurch hatten Vater und Sohn Boelke zuverlässig ihren Dienst als „Hofkapelle“ verrichtet. Die Pflege des Nachwuchses ist eine wichtige Aufgabe, da aktive Fasnachter auch älter und müde werden. Freudig wurden daher die Neulinge Ralf Müller und Manuela Kottwitz im Kreis der Büttenredner aufgenommen.

Im Jahr 1987 bekam der LCC kalte Füße, er nahm nämlich am winterlichen Umzug der jubilierenden Freunde aus Edenkoben teil. Der brave Orden des Jahres 1987 resultierte aus dem Ärger mit dem Orden des Vorjahres. Mit dem Thema dieses Ordens warf man der Gemeinde Untätigkeit vor und das wollte diese dem Verein offensichtlich nicht unter Narrenfreiheit durchgehen lassen. Unbeirrt setzte der LCC die Fahrt im Narrenschiff fort. Neue Ideen wurden von bewährten Kräften umgesetzt. Nach dem Ausscheiden von Achim Weintz, der mit seinem Vater Kurt viele Jahre gemeinsam und erfolgreich aufgetreten war, unvergessen ist ihr „Schranke auf, Schranke nieder“, begannen nun Elsbeth und Kurt Weintz ihren verbalen Schlagabtausch auf der Bühne, sehr zur Freude des hoch verehrten Publikums.

Brigitte Orth hatte sich bislang im Hintergrund gehalten. Nach einem ersten erfolgreichen Versuch mit der „Erschaffung der Welt“ stand sie im Jahre 1988 in der Schlagzeile der „Rheinpfalz“ als „Madame Chi-Chi“, welche durch „Bad Iboi“ wandelt. Auch in diesem Jahre zeigten die Frauen des Elferrates, Doris Grub, Roswitha Heyduck, Ingrid Knoll, Resi Orth und Karin Trautnitz, dass sie nicht passiv zuschauen wollten, wenn ihre Männer närrisch werden. Michael Hohnholz half mit seiner Braut Christine Knoll tapfer aus. Was wären die Sitzungen des LCC ohne seine Garden gewesen? Unzählige Lindenberger Mädchen, oder sonst wie hier etablierte Tänzerinnen, erfreuten und erfreuen die Besucher schon seit vielen Jahren mit ihren Auftritten. Einige von ihnen sind dem Verein in besonderer Weise treu geblieben, indem sie sich in den Dienst des Nachwuchses stellten. Hier sind besonders Bettina Breier und ihre Mutter Resi Orth zu nennen, sowie Andrea Weilacher, Edith Müller und Christine Hohnholz. Besondere Verdienste um die Garde, die „Lindenberger Burgfunken“, hatte sich Marianne Lessjuk in jahrelanger zuverlässiger Arbeit als Betreuerin erworben. Die „Mutter der Kompanie“ war stets zur Stelle, auch wenn es mal galt Tränen zu trocknen. Besondere tänzerische Leistungen darf man zu ihrer Zeit Corinna Baumann bestätigen. Mit tatkräftiger Unterstützung ihrer Mutter Ellen bildete sie jahrelang ihre besonderen Fähigkeiten privat aus und stellte sie in den Dienst der gemeinsamen Sache. Auch mit den Tanzmariechen hatte der LCC Glück. Kirstin Hanschke und später Tamara Grub meisterten ihre Aufgabe hervorragend.

All diese Leistungen, für die Öffentlichkeit freiwillig und kostenlos erbracht, verdienen auch im Verein ihren Lohn und so waren und sind Weihnachtsfeiern, Heringsessen, Spießbraten und Vereinsausflüge, seit einiger Zeit auch das Ordensfest, immer wieder ein willkommener Anlass die Gemeinsamkeit zu stärken und die Voraussetzungen für weitere gedeihliche Zusammenarbeit zu schaffen. Dies gilt auch für die Mitwirkung bei Veranstaltungen der Gemeinde, wie Kerwe, Parkfest oder Neujahrsempfang. Seit Jahren hatte der LCC das Glück, in Hermann Roth einen Präsidenten zu besitzen, der oft in liebevoller Kleinarbeit, unterstützt von seiner Frau Christel, die Belange des Clubs meisterte.

So feierte man mit freudigem Stolz 1989 das 2 x 11 Jahre - Jubiläum der Lindenritter und ließ in der Eröffnungsveranstaltung noch einmal die besten Programmpunkte der vergangenen 22 Jahre Revue passieren. Robert Neuner, ein Freund aus Lambrecht, war mit seinem Vortrag „C + A“ erneut die Lachnummer, wie schon 1967. Gratulanten aus nah und fern würdigten das 22jährige Bestehen des LCC und feierten die Ehrung langjähriger Aktiver. Farbenprächtig dekoriert, hatte man die sonst so nüchterne Turnhalle in einen Narrentempel verwandelt, und mit dem Motto „Mitgemacht, mitgelacht – Lindenberger Fasenacht“ das begeisterte Publikum entsprechend animiert. Aus aller Herren Länder gratulierten Gäste, bei einer bühneninszenierten „Geburtstagsfete“ der Elferräte und ihrer Frauen. Nicht enden wollender Beifall war der Lohn der Besucher – und ein Dankeschön des Vereins für alle Aktiven war ein Tagesausflug an die Mosel.

In der ersten Sitzung der Kampagne 1990 wurde Hans Fischer aus Heidelberg zum „Burggrafen“ geadelt. Als „Nikolaus aus Heidelberg“ bescherte er den Lindenberger Narren jahrelang Augenblicke der Besinnlichkeit, bei den vorweihnachtlichen Feiern des Vereins.

Doch zuvor standen die Zeichen auf Sturm. Mit Windböen bis zu 170 km/h fegte ein Orkan über das Tal und machte den Fasnachtern zu schaffen. Noch nach 19.00 Uhr hatte die Narrhalla keinen Strom und musste notdürftig mit Kerzenlicht erhellt werden. Nach Zittern und Bangen konnte man dann aber doch noch, mit halbstündiger Verspätung, das Feuerwerk der guten Laune starten.

1991 war das Jahr nach der Wende. Freude über den Mauerfall, Öffnung des Brandenburger Tores in Berlin, aber auch der teuere Geldumtausch waren das Motto des Jahresordens: „Michels Freud’, Michels Leid, teu’re deutsche Einigkeit“. Drei Tage vor der ersten geplanten Prunksitzung brach jedoch der Golfkrieg im Nahen Osten aus – und der LCC entschied sein Programm abzublasen. Die Fasnacht 1991 fiel dem Golfkrieg zum Opfer.

1992 war die ausgefallene Kampagne schnell vergessen und mit dem Motto „Einmal fiel die Fasnacht aus, jetzt geht’s mit voller Kraft voraus“ startete man entschlossen und hoch motiviert in eine erfolgreiche fünfte Jahreszeit.

Im Jahre 1993 konnten die Lindenritter ihr 25jähriges Bestehen feiern. Ein Film der ersten karnevalistischen Veranstaltung des LCC rief viele Erinnerungen wach. Neben den ersten schmucken Jahresorden gab es auch Ehrungen mit dem „Silbernen Ritter“ und „Goldenen Ritter“. Echte Pfälzer Fasnacht wurde den Besuchen der Prunksitzungen, beim Auftritt der Aktiven als „Olympia-Heimkehrer, Barcelona 1992“, geboten.

Präsident Hermann Roth, 15 Jahre Kapitän des Narrenschiffes, legte im gleichen Jahr sein Amt nieder. Kurt Weintz bestimmte ab dato, als neuer erster Vorsitzender, den zukünftigen Kurs.

Da etliche Fasnachter, aus den Anfangsjahren des LCC, im Laufe der Zeit wegen Alter, Krankheit, Ableben oder Abschied von der aktiven Bühne im Verein fehlten, sah der neue Präsident Kurt Weintz seine Verantwortung für den Club speziell darin, neue  junge Leute zu engagieren.

Die Garden und die Tanzmariechen erfreuten weiterhin die älteren Bürger der Gemeinde, bei den Seniorennachmittagen. Auch die Elferräte freuten sich über ihre neuen Komiteemützen, natürlich in grün-weiß. Doris Grub und Roswitha Heyduck führten über Jahre ihr Zwiegespräch auf der närrischen Bühne und als Büttenredner mit eigenem Flair präsentierte sich damals Andreas Kottwitz.

Der Orden der Kampagne 93/94 war der letzte aus der Hand von Fritz Heil. Seit 1981 fertigte dieser die Reinzeichnungen für die Jahresorden des LCC. Alter und schwere Krankheit verweigerten ihm das Weitermachen. Im selben Jahr gewann man Bodo Düker für diese Aufgabe. Er und seine Frau Sigrid wurden neue Mitglieder beim LCC. Bodo Düker widmete sich von nun an den Jahresorden und dem grafischen Erscheinungsbild des Vereins. Seine Frau Sigrid tat sich als Gestalterin der „Iboier Lindwürmchen“ (Keramikfigur) hervor, die der LCC gerne als spezielles Gastgeschenk verwendete. Frau Helga Hartenstein fertigte zu dieser Zeit mit kunstvoller Hand Schilder, Plakate und sonstige Deko-Elemente für die Lindenritter, und die Beschriftung der Urkunden für die Ehrungen von Vereinsmitgliedern kalligrafierte schon seit vielen Jahren der ehemalige Aktive Fritz Orth.

Mit dem Schlachtruf „Uff die Bäm, die Rentner kummen!“ machte ab dem Jahr 1995 ein reiferes Ensemble Furore, das sich aus den „alten Hasen“ Bruno Bosse, Dieter Knoll, Wolfgang und Resi Orth, Hermann und Irmgard Roth, Kurt und Elsbeth Weintz, Georg und Ilse Janz, Dieter und Doris Grub, sowie Günter und Karin Trautnitz formierte und als „Die Rentnerband“ die Bühne erbeben ließ. Mit Doris Grub schrieb Elsbeth Weintz den einzelnen Aktiven die Texte auf den Leib und kreierte auch die jeweiligen Songs. Mit Begeisterung bei der Sache stellte sich das Kindertanzpärchen Heike Walther und Danny Hohnholz dem staunenden Publikum vor. Zum ersten Mal trat in diesem Jahr eine Jugendgarde mit ihrem Schautanz auf und verjüngte durch ihr Dabeisein das Durchschnittsalter der Aktiven wesentlich.

Der LCC knüpfte und festigte in diesen Jahren verstärkt fasnachtliche Bande mit anderen Karneval-Vereinen, so zum Beispiel zu den „Wachenheimer Stopperziehern“, bei denen man auch als Gastelferrat auftrat und Elsbeth Weintz mit „Nofretete“ und „Paradiesvogel“ das Wachenheimer Publikum begeisterte. Gegenbesuche der Wachenheimer Karnevalisten beim LCC waren bald die Regel. Ebenso freudig waren die Lindenritter zu Gast in Neustadt/Lachen beim Karnevalverein „Rot-Weiß Lachen Speyerdorf“ und auch der Kontakt zu den „Igg’lemer Bessem“ und „Böhler Hängsching“ florierte. Zum „Neustadter Karnevalverein“ mit seinem Prinzen „Vino Palatina“ frischte man alte Beziehungen auf – und weil nichts über eine gute Nachbarschaft geht, belebte und festigte man die bestehende Freundschaft zu den „Lambrechter Gäsböck“. 1998 brillierte der amtierende „Bohnenkönig Eugen der Edle“ vom Garde Corps „Rot-Weiß Speyer/Rh.“ mit einem nicht zu überhörenden Trompetensolo in der LCC-Narrhalla. Schon im Jahr zuvor begrüßte man hier eine Abordnung des Fränkischen Carnevalvereins „Prunklosia“. Auch die „Kellerborzler“, eine bunte Schar Fasnachter aus Neustadt/Wstr., angeführt von der „Hoheit Brunolinde“ (Bruno Heider), grüßten als Gäste. Nicht zu vergessen wären hier auch unsere karnevalistischen Freunde aus Elmstein.

Schon oft wurden in dieser Chronik unsere Tänzerinnen gelobt, welche sich in den Garden oder als Tanzmariechen profilieren konnten. Den Betreuerinnen der ersten Generation folgten im Laufe der Jahre andere bewährte Kräfte nach. Hier sind besonders für ihre Einsatzbereitschaft in Punkto Betreuung Doris Grub und als Trainerinnen Simone Doll, Daniela Knoll und Tamara Grub zu erwähnen.

In den Jahren 1996 – 1999 hatte das Narrenschiff Passagiere mit neuen Ideen und Zielen an Bord. „Wer hat schon in seiner Gemeinde einen katholischen Pfarrer, der auch als Karnevalist aktiv ist?“ Einige Jahre profitierte der LCC von den Ideen des Lindenberger Geistlichen Franz Neumer, der in Rollen als „Eierfrau“, „Kleinwagenbesitzer“ und „Müllmann“, um nur einige Auftritte zu erwähnen, die Narrhalla in Ekstase versetzte. Er war aktiver Gast auf der närrischen Bühne – und die Karnevalisten, in ihrem bunten Dress, Besucher seines speziellen Fasnachtsgottesdienstes.

Der damalige Vize Dieter Grub hatte den Gedanken für die zukünftigen Kinderprunksitzungen des Vereins, die sich als echte Förderung des Nachwuchses etablierten.

„600 Jahre Lindenberg“ war das geschichtliche Ereignis 1998, dem auch der LCC mit seinem Orden, seinem Programm und, seinem Namen „Die Lindenritter“ gerecht werdend, als beachtenswerte Gruppe beim Kerweumzug mit einer „Lindenburg“, mit Rittern, Burgvogt und Burgfräulein, Tross zu Fuß, böllernder Kanone und einer begeisternden Kerweredd der Aktiven Elsbeth Weintz Beachtung zollte.

Schon seit einiger Zeit hatte Präsident Kurt Weintz einen Traum: Er sah die Lindenritter versammelt um eine eigene Vereinsstandarte. Mit viel Energie, Einsatz und Überzeugungskraft gelang es ihm schließlich, im Gleichklang mit seiner Frau Elsbeth und mit Hilfe grafischer Entwürfe von Bodo Düker, seine Vereinskameraden für diesen Plan zu gewinnen. Es wurde „grünes Licht“ zur Anschaffung einer Vereinsfahne erteilt.

An Bord des Narrenschiffes machte sich eine Besorgnis breit: die Mannschaftsstärke hatte sich in letzter Zeit verringert. So war man froh, als neue Matrosen anheuerten: Alexandra und Andreas Hellwich, Katharina und Thorsten Amos, Petra und Detlev Schanze. Die „Roigeritschde“, wie sie sich bei ihren Bühnenauftritten nannten, brachten neue Elemente ins Programm, ersannen Sketche und überraschten mit eigenen getexteten Liedern, wobei die Aufführung von „Mein kleiner grüner Kaktus“ wirklich gelungen war. Dass sie nicht nur Leichtmatrosen an Bord des Narrenschiffes sein wollten, erwies sich in der Tatsache, dass sie bei den anstehenden Wahlen fast die Hälfte der zu vergebenden Präsidiumsposten belegten. Detlev Schanze übernahm vom scheidenden 1. Vorsitzenden Kurt Weintz als neuer Präsident das Ruder – und weiter ging’s mit voller Kraft voraus, als sich am Horizont über der närrischen See, einem Silberstreif gleichend, die Zahl 2000 und daneben in grün-weiß die Zahl 33 auftaten. Das war nicht nur für die Mannschaft das Signal, dass sich ein neues Jahrhundert, ja sogar Jahrtausend und mit dieser bedeutsamen Zeitenwende auch das 3 x 11 Jahre - Jubiläum der Lindenritter ankündigte. So hatte man alle Hände voll zu tun, diesem Ereignis gerecht zu werden.

Doch zunächst stand die Weihe der neuen Vereinsfahne auf dem Plan. So vollzog man diese im Juni 1999 in der katholischen Kirche St. Maria Immaculata in Lindenberg, unter Beteiligung vieler befreundeter Vereine, Mitgliedern und Freunden des LCC. Die sich daran anschließende erste „LCC-Summernight“ mit der Rockgruppe „Lips“ war besonders in den Augen der jugendlichen Gäste das Ereignis. Auch die Kerwe, für die in diesem Jahr der LCC federführend war, durfte mitgestaltet werden und Roswitha Heyduck absolvierte gekonnt ihre erste Kerweredd.

Es nahte das Jahr 2000 und mit ihm das 3 x 11 Jahre - Jubiläum des Vereins. Zunächst erstürmte man am 11. 11. 1999 das Rathaus, übernahm dort die Schlüsselgewalt und verlieh den Dorfobersten die ersten neuen Jubiläumsorden. Anschließend zog die ganze Mannschaft ins Gasthaus „Ratskeller“, wo Sitzungspräsident Stefan Trautnitz allen anwesenden Aktiven ebenfalls den neuen Orden überreichte.

Zwei Tage später wurde es festlich bei den Lindenrittern. Man hatte zum Ordensfest geladen und viele Gäste aus Politik und Kultur und Abordnungen karnevalistischer Freunde gaben dem LCC die Ehre und gratulierten zum Jubelfest. Ein Höhepunkt an diesem Abend war der Auftritt der Pfälzer Showband „Die Riesling-Spatzen“.

Bis zu diesem Jahr standen auf der „Ehrenritter“-Liste des Vereins, für langjähriges verdienstvolles Wirken, folgende Lindenritter: Jan Lessjuk, Marianne Lessjuk, Hermann Knoll, Fritz Schmid, Hermann Risch und Wolfgang Orth.

Kaum hatte man das Jubeljahr erfolgreich abgeschlossen, gab es Irritationen an der Spitze des Vereins. Detlev Schanze, knapp ein Jahr 1. Vorsitzender des LCC, gab seinen Rücktritt bekannt und begründete diesen Schritt mit unerträglicher Doppelbelastung in Amt und Beruf. Nun war man wieder soweit wie vor einem Jahr, als es erhebliche Engpässe bei der Besetzung der Präsidiumsposten, speziell auch bei dem des Präsidenten, gab. In dieser Situation war Stefan Trautnitz der Mann der Stunde. Der langjährig verdiente LCC-Aktive, mit erfolgreichen Bühnen- und Büttenauftritten in vielen Kampagnen, der nach dem Ausscheiden von Dieter Knoll aus dem Amt des Sitzungspräsidenten dessen Nachfolge angetreten hatte und derzeit ausübte, signalisierte seine Bereitschaft, zusätzlich das Amt des 1. Vorsitzenden zu übernehmen. Er überbrückte 2 Jahre, anstelle von Detlev Schanze, und stellte sich auch für die folgende Zeit, bis zum Frühjahr 2008, nach Wiederwahlen zur Verfügung.

So groß seinerzeit die Freude über die Verstärkung durch die „Roigeritschde“ war, verpuffte sie schnell, als diese so nach und nach aus dem Präsidium und dem Verein herausbröckelten.

Ausgerechnet die Sitzungen im Jubiläumsjahr mussten ohne einen Protokoller auskommen; denn Dieter Knoll, jahrelang auf diesen Posten fixiert, hatte seine Position zur Disposition gestellt. „In Linnebersch werd’s immer toller – wu war dann do de Protokoller?“ stand prompt in der „TALPOST“.

In der folgenden Kampagne 2001 reagierte der LCC. Ein neuer Protokoller betrat die Bütt und komplettierte das Programm. Bodo Düker, bislang ohne jegliche Bühnenerfahrung, wagte sich in diese Rolle und wurde mit den Jahren als Protokoller fester Bestandteil der LCC-Auftritte.

In dieser Zeit vollzog sich ein Wandel im Verein, der auch darauf zurückzuführen war, dass sich viele ältere Aktive und Mitglieder aus der Vereinstätigkeit zurückzogen und aufgrund deren bisherigen personellen Einsatzes, in Präsidium, auf der Bühne und hinter den Kulissen, empfindliche Lücken entstanden. Junge Leute mussten sich nun in die Rolle finden, dem Verein eine Zukunft zu geben. Da waren Konflikte zwischen Jung und Alt vorprogrammiert und mussten oft schmerzvoll überwunden werden. Doch der neue Kapitän an Bord des Narrenschiffes bewies Übersicht und verstand es geschickt, neue junge Kräfte zu motivieren und Altbewährte bei der Stange zu halten. Mit dieser Mischung manöverierte man in eine Zukunft, bei der Veränderungen durch die sich ständig erweiternde EU, die immer stärker um sich greifende Globalisierung – und nicht zuletzt durch enormen Fortschritt in Technologie und Kommunikation an der Tagesordnung waren.

Wie seit vielen Jahren schon war das bewährte und beliebte Duo „Fair Play auch im Jahre 2002 wieder treuer Begleiter der Prunksitzungen und der Garant für stimmungsvolle musikalische Höhepunkte beim LCC.

Als „Internatsschüler“ hielt Dieter Knoll seine vorerst letzte Büttenrede. Auch Elsbeth Weintz verabschiedete sich von der närrischen Bühne, mit der Inszenierung des Halbzeitbildes „Boutique zur scharfen Minna“. Eine neue Gesangsgruppe unter der Leitung von Andrea Zimmermann gab ihr Debüt und war als „LCC-Chor“ einige Jahre erfolgreich dabei. „Los Canalos“, Stefan Trautnitz, Thomas Hook und Thorsten Amos präsentierten sich erstmalig mit Saxophonen aus Abflussrohren und heizten dem Publikum mit fetzigem Sound ein. Pfarrer Franz Neumer war in diesem Jahr leider das letzte Mal als Aktiver auf der närrischen Bühne zu sehen.

Aktive gehen, Aktive kommen. Man sah in diesen Jahren öfters neue Gesichter auf der Narrenbühne, bei Büttenreden, Halbzeitbild und Tanzeinlagen. Einige etablierten sich auf Jahre im Verein, andere machten mal eben ein oder zwei  Kampagnen mit oder waren wie Sternschnuppen, tauchten auf und verglühten gleich wieder.

Als Büttenredner entwickelte sich Andreas Knoll mehr und mehr zum Publikumslieblig, war aber auch in anderen Rollen, wie Halbzeitbild und Männerballett, mit dabei. Ebenso wurden Helge Fuhrmann und später Karsten Knäuper durch ihre Vielseitigkeit zu festen Größen auf der Bühne.

Der Sinn dieser Chronik soll bewusst nicht darin liegen, jedes noch so winzige Detail, in Bezug auf Mitwirkung Einzelner oder Gruppen im Verein, festzuhalten. Vielmehr soll dem interessierten Betrachter die Geschichte des Club’s großzügig, wie bunte Bilder in einem Kaleidoskop, vor Augen geführt werden. Findet sich also jemand, der irgendwann, irgendwie mit dem Verein verbandelt war, hier nicht schwarz auf weiß wieder, möge er sich selber gedanklich dort einordnen wo er mit von der Partie gewesen ist, wissend, dass auch er dazu beigetragen hat den Verein zu unterstützen.

Im Jahre 2003 hatten Reiner Trippner, Thomas Hook und Sascha Trippner ihren ersten „hochprozentigen“ Auftritt mit ihrer „Alk-Parade“ und etablierten auf Jahre ihr „spirituoses“ Lebensgefühl. Mit von Steffi Hook kreierter Ausstattung war wieder ein von Nicole Wasem trainiertes Männerballett dabei.

Auch das technische Equipment des Vereins hatte sich im Laufe der Zeit neuen Anforderungen anpassen müssen; seit vielen Jahren behütet vom „Herrn der Töne“, Jürgen Heyduck. Inzwischen obliegt diese Aufgabe einem Duo; denn Dirk Veth hatte sich nach und nach erfolgreich ebenfalls in die Materie eingefunden. „Ins rechte Licht“ gerückt wurden und werden alle Aktivitäten auf der Bühne schon seit „ewiger Zeit“ von Elferrat Günter Trautnitz.

Derart zahlreich auf der Tanzfläche angetreten, dass die Bühne fast aus allen Nähten zu platzen schien, waren die Gardistinnen 2004. Ralf Müller hielt seine Büttenrede als „Häuslebauer“ – und als „Hausmann“ meldete sich Fritz Orth, ein Urgestein der Lindenberger Fasnacht, in der Bütt zurück; leider nur für kurze Zeit. Neu war die gelungene Inszenierung „Tanz der Vampire“ von Debütantin Carmen Trautnitz, im Reigen mit Reiner Trippner, auf  der Bühne der Narrhalla.

„Das ist der schöne Orden der Lindenritter“, sagte SWR-Moderatorin Heike Zahn in der Landesschau, den Jahresorden „Unser Dörfel schunkelt und lacht, bei unserer Iboier Fasenacht!“ umhängend, anlässlich eines Berichtes im Fernsehen über die Pflege des Fasnachtsnachwuchses in Lindenberg. Das Umfeld des LCC- Jugendtanzmariechens Mara Lingenfelder, das ab 2002 in vier Kampagnen mit viel Esprit die Zuschauer in der Narrhalla erfreute, hatte diesen Kontakt ermöglicht. Präsident Stefan Trautnitz betonte vor laufender Kamera die Wichtigkeit der Jugendarbeit, und via Fernseher konnte man einigen der Gardemädchen bei der Probe zuschauen, wie schon seinerzeit 2002, beim Besuch eines SWR-Landesschauteams  in Lindenberg, anlässlich der Fernsehsendung „Hierzuland“.

Standen die Aktiven auf der Bühne im Rampenlicht und ernteten für ihre Darbietungen den verdienten Applaus, bemühten sich viele „unsichtbare“ Helfer in der Küche, hinter den Kulissen oder sonst wo auch immer, nach besten Kräften die Basis für gelingende Prunksitzungen zu schaffen. An dieser Stelle sei wiederholt betont, dass ohne deren Einsatz ein reibungsloser Ablauf der Veranstaltungen nicht möglich gewesen wäre.

Der „Mann für alle Fälle“ im Verein ist seit Jahrzehnten Elferratsmitglied Udo Veth. Er dirigiert nicht nur das Aufräumen in der Festhalle nach den Sitzungen, sondern agiert auch oft als Organisator und Beschaffer von Dingen jeglicher Art, ebenso wie seine, den Verein tatkräftig unterstützende,  Frau Thea.

Trotz so mancher tückischer Klippe in närrischer See blieb das Narrenschiff auf Kurs und Kapitän, Steuermann und Besatzung bemühten sich weiterhin ihr Bestes zu geben.

Wie auch in der Kampagne 2005, als sich Steffi und Thomas Hook in einem außergewöhnlichen Beitrag als „Engel und Teufel“ um ihre „Kundschaft“ stritten. Helga und Ludwig Baumann wurden, wie auch Elsbeth und Kurt Weintz, in diesem Jahr per Ritterschlag von Präsident Stefan Trautnitz zu Ehrenrittern ernannt. Im Jahr darauf wurde diese Ehrung dann in festlichem Rahmen Dieter Grub und Dieter Knoll zuteil.

Die Halbzeitbilder dieser Jahre, von einer jungen Truppe erdacht und einstudiert, basierten mitunter auf aktuellen Themen, wie „Schnäppchenjäger“, „Klimawandel“ oder „Fußball-WM in Iboi – ein Sommermärchen“, das dem Publikum besonders gut gefallen hatte.

„Wir brauchen ein neues Bühnenbild“, sagte Carmen Trautnitz – und fand Zustimmung. Eine Kreativ-Gruppe formierte sich, mit Carmen und Stefan Trautnitz, Steffi und Maxi Hook, Sigrid und Bodo Düker, Reiner Trippner, Helge Fuhrmann und Pia Trautnitz und schuf an mehreren Wochenenden ein Bühnenbild und eine Hallendekoration, die sich sehen lassen konnte.

So glich die Narrhalla 2006 einem „Rittersaal“, mit Gespenst und Lindwürmchen auf den Zinnen des Burgwandbildes, mit ornamental gestalteten Wappenschildern von der Decke hängend, Wandbildern mit Rittern auf Turnierpferden und einem schnaubenden Drachen, von Steffi Hook malerisch auf die Elferratsbank gezaubert.

Ein neues Jugendtanzmariechen, Vanessa Friederich, trat auf die Bühne und eroberte mit ihrer Darbietung die Herzen der Zuschauer. Charlotte Merk hatte sich, als Nachfolgerin der langjährigen Tanzlegende Tamara Grub, längst schon selbst zur tänzerische Avantgarde des LCC aufgeschwungen. Birgit Schönig, von der Pieke auf tanzendes Mitglied der LCC-Garden, oblag die Ausbildung der jugendlichen Gardemädchen und beim Nachwuchs und den Kleinsten engagierten sich mit Elan Tanja Friederich und Sandra Foerster, die auch bei Büttenreden und Halbzeitbildern, ebenso wie ihre Mutter Gabi, eine gute Figur abgab.

Andrea Hust, schon in Halbzeitbildern dabei gewesen, und ansonsten sehr bemüht um den Nachwuchs des LCC bei den Kinderprunksitzungen, bildete diesjährig zusammen mit Roswitha Heyduck eine neue Zwiegesprächspaarung, in der sich beide, jeweils aus der Sicht der Anderen, deftig beharkten, betreffend der Vor- oder Nachteile eines Urlaubs in den Bergen oder an der See.

Im Jahre 2007 hatte der LCC sein 40jähriges Bestehen. Als Motiv für den Jahresorden wählte man die Ansicht der neuen Hallen-Dekoration, um festzuhalten in welchem Rahmen man dieses runde Jubiläum gefeiert hatte. Präsident Stefan Trautnitz kürte in diesem Jahr seinen Vater, den langjährig verdienten Lindenritter Günter Trautnitz, zum Ehrenritter. Mit Christian Schaller hatten die Burgfunken einen neuen Trainer gefunden, der es mit seiner Ausstrahlung und seinem Können verstand, die jungen Frauen durch Konditions- und Bewegungsperfektionstraining in kürzester Zeit zu Höchstleistungen anzuspornen. Neues gab’s auf der Bühne und in der Bütt. Drei Mädels aus der Garde, Jennifer Klein, Corinna Wirtz und Nicole Bay präsentierten bühnenreif die Morgengymnastikstunde eines „älteren Ehepaares“, das sich, infolge einer von ihnen nicht wahrgenommenen Programmänderung im Radio, Kochen anstelle Gymnastik, über Übungen mit Gurke und Karotte sehr wunderte. Das war ein echter Lacherfolg. Stefan Trautnitz berichtete, mit originell zusammengestellten Sätzen aus Fachbegriffen der Computersprache, über die Entstehung einer Schwangerschaft – und hatte einen ebenso großen Erfolg mit seinem tollen Vortrag, wie im Jahr darauf Andreas Knoll, als schlitzohriger Masseur.

In Anlehnung an eine „Gesangsinstitution“ traten erstmalig 2008 die „Dröner“ in Erscheinung und servierten bekannte Liedkost individuell angerichtet, wobei ihnen der tiefe Bass und die kräftige Stimme von Neuzugang Jan Schröder gelegen kam. Mit Schnappi, dem grünen Krokodil vom Nil auf der Schulter, marschierte Roswitha Heyduck in die Narrhalla ein und führte mit dem selben, in Bauchrednermanier, einen Dialog über das Hallenpublikum. Es dauerte eine ganze Weile, ehe man bemerkte, dass die Stimme von Schnappi die ihres Enkels Tobias war, der sich hinter der Bütt versteckt hielt. Ein gelungener Part, Erwachsener mit Kind, wie das schon seinerzeit im Jahre 2001 Detlev Schanze mit seinem Sohn Jan Kevin, als sprechender Roboter „Robbi“, versucht hatte. Eine neue Tanzgruppe formierte sich in der Aufführung „Thriller“ und brachte gekonnt einen Moment der Spannung in die karnevalistische Arena.

Dass sich die Lindenberger Narren an zurückliegende Ereignisse und Auftritte im Verein jederzeit bildlich erinnern können, verdanken sie ihrem Aktiven Alexander Heyduck; der alles Geschehene, über viele Jahre hinweg, in Bild und Ton, mit Fotos, auf Video und CD dokumentiert hat.

In der Jahreshauptversammlung dieses Jahres wurden bei Neuwahlen die Karten für die zukünftige Führungscrew des LCC neu gemischt. Präsident Stefan Trautnitz, der diesen Posten, neben dem Amt des Sitzungspräsidenten, acht Jahre inne hatte, stellte den 1. Vorsitz zur Disposition. Neuer Kapitän, als 1. Vorsitzender auf der Kommandobrücke des Narrenschiffes, wurde der bislang 2. Vorsitzende Reiner Trippner, dem ab dato Andrea Hust als Vizepräsidentin zur Seite steht. Die restlichen Präsidiumsmitglieder sind größtenteils junge Leute, mit viel gutem Willen und Einsatzbereitschaft.

Möge es der neuen Führung und der Mannschaft an Bord gelingen, das Narrenschiff auch zukünftig auf Kurs zu halten, in einer sich immer rasanter verändernden närrischen See. 

 

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